Sommer & Winter

Das abwechslungsreiche Klosterdorf bietet ein einmaliges Ferienangebot für Familien, Einsteiger und Profis. Die Vielseitigen Aktivitäten machen ihren Aufenthalt zum unvergesslichen Bergerlebnis.

Nie mehr in den Seilen hängen

An diesem Junitag, dem ersten Tag der "Rock & Safety Days", hängen die Wolken dicht an den Bergen. Auch beim Klettersteig Brunnistöckli reicht die Sicht nicht weit. Man sieht zwar von Trit zu Tritt und von Griff zu Griff. Der Blick hinunter ins Tal aber bleibt einem verwehrt. Das Panorama, welches andere zu schätzen wissen, wird aber nicht von allen Klettersteigbegehern vermisst. 

«Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass ich nicht weit sehe», witzelt eine Kursteilnehmerin, welche sich noch mit der Höhe anzufreunden versucht. Acht Leute sind mit einem Bergführer unterwegs. Sie alle profitieren vom dreitägigen Kursangebot «Rock & Safety Days», das Engelberg-Titlis Tourismus den Besitzern einer Gästekarte kostenlos anbie­tet. Durch die Unterstützung von erfahrenen Bergführern und mit Hilfe eines Mentaltrai­nings werden die Teilnehmer für die Kletter­steige fit gemacht.

«Das Ziel der «Rock & Safety Days» ist die professionelle Ausbildung von Klettersteiggehern. Nach den drei Tagen sollen sie fähig sein, solche Steige selbstständig be­wältigen zu können. Dazu gehört auch, Risiken und eigene Fähigkeiten einzuschätzen sowie mit Konzentration und Spass bei der Sache zu sein», resümiert Daniel Perret, Bergführer bei der Prime Mountain Sports GmbH, das Angebot.

 

 

 

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Die 27-jährige Simone Hug aus Hinwil hat schon einige Klettersteige absolviert – jedoch stets in Begleitung von erfahrenen Kollegen. Weil sie gerne auch mal alleine die Tritte und Griffe emporsteigen wollte, meldete sie sich spontan für die «Rock & Safety Days» an. Eben­falls im Kurs mit dabei ist Kurt Hägi. Mit seinen 66 Jahren ist er der älteste Teilnehmer. «Ich bin oft in Engelberg und habe, abgesehen von der Fürenwand, alle Klettersteige bereits absol­viert», erzählt er. «Die Fürenwand bestaunte ich immer nur. Hinaufzusteigen traute ich mich aber nicht.» Wie alle anderen Teilnehmer, eine gemischte Truppe aus Anfängern und Fortgeschrittenen, verfolgt er das Ziel, am dritten Tag des Kurses den steilen, aus­gesetzten Klassiker zu pa­cken. Denn die Fürenwand mit ihren 765 Me­tern Höhendifferenz, dem Schwierigkeitsgrad K4 – K5 (K1 = leicht, K6 = extrem schwierig) und dem Ziel Fürenalp macht Eindruck und ist wahrhaftig nicht jedermanns Sache. 

Begonnen wird im dreitägigen Kurs aber gemächlich – mit dem Brunnistöckli, ausge­zeichnet mit dem Schwierigkeitsgrad K2 und der stetigen Möglichkeit, abzubrechen. «Dank seiner moderaten Schwierigkeit, den luftigen Brücken und einem Gipfelerlebnis eignet sich das Brunnistöckli bestens für den Einstieg in die Klettersteigwelt», sagt Bergführer Daniel Perret. «Hier sieht man als Bergführer sofort, wer sich im Gelände wie bewegt und wo die Stärken und Schwächen des Teilnehmers liegen.» Trotz nas­sem Wetter schaffen alle acht das Brunnistöckli. Den einen erging es etwas besser, die anderen bekundeten mit der Höhe etwas mehr Mühe.

Tag zwei führt die bunt durchmischte Gruppe von Frauen und Männern zwischen gut 20 und eben 66 Jahren zum Rigidalstock. Dieser

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mittelschwere Steig (K4) ohne Ausstiegsmög­lichkeiten, dafür Ausgesetztheit, bringt drei der Teilnehmer derart an ihre Grenzen, dass sie be­schliessen, auf das Highlight Fürenwand zu ver­zichten. «Ein Rückzug oder Abbruch mitten in der Fürenwand ist problematisch und nur unter er­schwerten Bedingungen möglich», erklärt Dani­el Perret den Grund, weshalb unsichere Teilneh­mer diesen Aufstieg lieber bleiben lassen sollten. Die drei genannten Teilnehmer gaben freiwillig Forfait. «Fast immer merken es die Gäste selber, da sie Angst vor der Höhe oder konditionelle Schwierigkeiten haben.» Wenn der Bergführer aber sieht, dass jemand technisch und mental für die Wand bereit ist, ver­sucht er diese Person selbst­verständlich zu motivieren.

Für die fünf verbliebe­nen Kletterer folgt als Abschluss des zweiten Tages ein Mentaltraining bei Claudia Müller. Sie unterrichtet an der Sportmittelschule Engelberg zukünftige Skicracks und unterstützt sie im mentalen Bereich. «Ihr könnt euch auf morgen freuen», sagt sie, «der Ausblick auf Engelberg ist sensationell». Doch nur mit diesem «Zücker­chen» ist ihre Arbeit natürlich nicht getan. Mit diversen, eindrücklichen Übungen bereitet sie die fünf Kursteilnehmer auf die Fürenwand vor. In den Übungen wird schnell klar, was für eine wichtige Rolle der Kopf – sei es beim Klettern oder aber auch im Alltag – spielt.

Wer schon beim Einstieg in die Wand zweifelt, kommt nicht weit. Und für Claudia Müller ganz wichtig: «Mental­training ist kein Zaubermittel. Es ist ein Trai­ning, das immer wieder angewendet werden muss.» Ihre Worte, die Übungen sowie die Visu­alisierung der Fürenwand scheinen jedenfalls Wirkung gezeigt zu haben. «Nach dem Mental­training verbrachte ich eine ruhige Nacht. Ich erlangte die Gewissheit, dass es am nächsten Tag klappen wird», sagt Kurt Hägi. Und sein positives Gefühl sollte ihn nicht täuschen: Zusammen mit den vier Kolleginnen und Kollegen bewältigt er am Abschlusstag bei schönstem Wetter die Fürenwand. Auf Geheiss des Bergführers steigt Kurt Hägi als erfahrenster Mann der Gruppe als erster in die Wand. «Der Respekt war zwar immer noch da, aber mit jedem Höhenmeter fühlte ich mich sicherer – und das obwohl die Distanz zum Talboden immer grösser wurde.» Einzig der Abschluss mit der senkrecht angebrachten Ausstiegsleiter macht ihm anfänglich etwas zu schaffen. Einmal tief durchat­men und an Claudia Müllers Worte «du schaffst das» den­ken – Tritt für Tritt nehmen – geschafft! «Es kamen herr­liche Gefühle auf», erinnert sich Hägi gerne an seine erste und sicherlich nicht letzte Begehung der Fü­renwand.

Simone Hug war ebenfalls mit einem guten Gefühl unterwegs, denn sie freute sich auf den abschliessenden Höhepunkt des Kurses. «Während des Aufstiegs fühlte ich mich stets wohl. Einerseits hatte ich völliges Vertrauen in den Bergführer, andererseits fühlte ich mich fähig dazu, die Wand zu besteigen.» Auch ihr Gipfelerlebnis war ein unvergessliches. Genauso gut bleiben ihr aber die «Rock & Safety Days» in Erinnerung – so gut, «dass ich bereits vier Tage nach dem Kurs den ersten Klettersteig auf eigene Faust in Angriff nahm». Ziel des Kurses erreicht.

Zu den Rock & Safety Days

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