Sommer & Winter

Das abwechslungsreiche Klosterdorf bietet ein einmaliges Ferienangebot für Familien, Einsteiger und Profis. Die Vielseitigen Aktivitäten machen ihren Aufenthalt zum unvergesslichen Bergerlebnis.

Über Stock und Stein

Zwei Stunden und fünfunddreissig Minuten bis nach Grafenort verrät das gelbe Schild beim Bahnhof in Engelberg. Zwischen Obermatt und Untertrübsee und den anderen gut dreissig Zielen wäre es fast unbemerkt im Schilderwald untergegangen. Doch dieser Weg entlang dem Eugenisee über die Aaschlucht nach Grafenort ist nicht nur einer der schönsten im Klosterdorf, gleichzeitig schwebt über ihm eine Wolke voller Energie, Engagement und Naturverbundenheit. Aber alles der Reihe nach.

Hätten wir uns vor dem 20. Jahrhundert auf diese Wanderroute gewagt, wären wir womöglich irgendwo im Nirgendwo verschwunden. Wegweiser suchte man vergebens; gute Kartenkunde war unumgänglich. Damals wurden die umherziehenden Naturgelehrten und die gipfelerklimmenden Engländer noch belächelt, aber das Bedürfnis durch die wilde Natur zu stapfen wuchs ums Jahr 1900 immer mehr. Plötzlich schossen an den verschiedensten Orten signalisierte Wanderrouten wie Pilze aus dem Boden – und irgendwann hatte keiner mehr den Überblick über den Wildwuchs. Das Markierungschaos rief nach Ordnung. Der Dachverband Schweizer Wanderwege wurde 1934 gegründet und die gelben Tafeln mit schwarzer Schrift waren geboren. Kaum angebracht, verschwanden aber alle Schilder wieder. Der Grund: Der Zweite Weltkrieg – niemand wollte dem einfallenden Feind eine Orientierungshilfe bieten. Das Signalisationsprojekt wurde vorerst auf Eis gelegt. Dafür fanden die geführten Wanderungen ihren Anfang – und sind wegen ihrer grossen Beliebtheit bis heute bestehen geblieben. 

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Als der Krieg beendet und die Tafeln wieder montiert waren, folgte das zweite Problem: Das Strassennetz breitete sich wie eine Decke übers ganze Land aus und viele Wanderwege wurden geteert, und damit hart erkämpfte Wege ausgelöscht. So kam ein weltweit einzigartiges Gesetz zu Stande. Seit 1979 ist das Wanderwegwesen in der Bundesverfassung sowie seit 1987 im Bundesgesetz für Fuss- und Wanderwege geregelt. Dank dieser Grundlage dürfen Wanderwege in der Schweiz unter anderem nicht mehr einfach nach Gutdünken asphaltiert werden.  

Mit der schweizweit einheitlichen Signalisierung und der Gesetzgebung war ein wichtiger Grundbaustein gelegt; der Unterhalt blieb jedoch Sache der Kantone oder Gemeinden – bis heute. Und so stehen wir wieder bei den Schildern am Bahnhof. Da, wo die Arbeit von Patrik Emmenegger beginnt. Ohne Bergschuhe, Wanderhose und guter Jacke trifft man ihn selten an. Jung ist er, seit sieben Jahren als Bezirksleiter für die Wanderwege in Engelberg verantwortlich, markiert, kontrolliert und pflegt sie. Er lächelt, strahlt Zufriedenheit aus – «das kommt von der Arbeit», meint er. Die Natur gebe ihm viel: Dort fühle er sich wohl, dort tanke er Energie und dort gäbe es genügend zu tun. 100 Kilometer Wanderwege sind es in Engelberg, doch die Arbeit dehnt sich über die Grenze in die Nachbarsgemeinde Wolfenschiessen aus. Mit dem dortigen Gebietsvertreter Sepp Hurschler trifft er sich häufig, obwohl die Organisation ennet der Grenze anders funktioniert. Denn so wie in Engelberg ist kaum eine andere Gemeinde organisiert. Patrik Emmenegger und zwei weitere Kollegen sind von der Gemeinde fest angestellt und ausschliesslich für die Wanderwege zuständig. Anderswo gibt es kantonale Organisationen, Tourismusvereine oder die Wanderwege werden durch Freiwillige unterhalten.

Hier also am Engelberger Bahnhof könnte ein Arbeitstag beginnen. Im Frühjahr, wenn die weisse Schneedecke unter den warmen Sonnenstrahlen langsam wegschmilzt und die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, fangen die Vorbereitungen für die bevorstehende Wandersaison in den niederen Lagen an und ziehen sich mit der Schmelze nach oben. Wie Fuchs und Hase zum Sommerpelz wechseln, verwandeln sich auch die Schilder von den pinken Winter- zu den gelben Sommerwanderwegen. Einige erhalten gar einen weiss-rot-weissen oder weiss-blau-weissen Anstrich, um sie von den Berg- und Alpinwanderwegen zu unterscheiden. Die Naturburschen gehen emsig wie Ameisen die Wege ab und platzieren Sitzbänke an der richtigen Stelle, bringen Handseile an und bauen kleinere Brücken wieder auf. Ja richtig, denn im Winter wird fast alles abgeräumt, der Sicherheit wegen. 

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Für die Kontrolle eines solch grossen Wegenetzes sind Patrick Emmenegger und seine Kollegen aber auf Freiwillige angewiesen. So wachen Wanderweggöttis über die Wege, die Meldung erstatten, falls umgefallene Bäume oder Steine den Weg versperren oder zu viel Wasser ihn unpassierbar macht. Ohne sie gäbe es wohl auch den Weg nach Grafenort über die tosenden Wassermassen der Aaschlucht nicht mehr. Denn als im Sommer 2005 starke Regenfälle über die Schweiz zogen, blieb auch Engelberg nicht verschont. Die reissenden Schlammfluten der Engelberger Aa zerstörten die Strasse am Dorfeingang und damit den Wanderweg zur Aaschlucht. Da Kanton und Gemeinde nicht genügend Gelder für die Erneuerung aufbrachten, formierte sich die Interessengemeinschaft Erlebnisweg Aaschlucht. Mit dabei Sepp Hurschler, pensioniert, aber fit. Bei den Erzählungen blüht er regelrecht auf; viel Enthusiasmus liegt in seiner Stimme. «Es war unglaublich», sagt er. Über dreissig Freiwillige investierten unzählige Stunden, um den Weg zu erneuern und dank der Fritz-Carl-Wilhelm Stiftung neun Stein-, Metall- und Hängebrücken zu reparieren und teils neu zu konstruieren. 2011 war es dann soweit: Die IG übergab den Weg wieder der Gemeinde und löste sich auf; die stillen Heinzelmännchen widmeten sich neuen Aufgaben.

Die Leidenschaft für die Natur und das dortige Erlebnis – die begleitet Patrik Emmenegger und Sepp Hurschler tagtäglich bei ihrer Arbeit. So beschäftigt sich Patrik Emmenegger seit Längerem mit der Digitalisierung der Karten sowie dem Abgleichen der lokalen, regionalen und nationalen Routen. Für den Nutzer sollen die Wanderwege möglichst übersichtlich bleiben. «Es nützt ihm nichts, wenn sieben Wege nach Rom führen, er möchte den schönsten und attraktivsten», sagt er. Bis die Revision jedoch abgeschlossen ist, wird es wohl schon Herbst sein – und darauf freuen sich die beiden. Herbst sei die beste Jahreszeit. Dann, wenn die Hauptarbeiten erledigt sind, wenn’s nicht mehr so heiss ist, die heruntergefallenen Blätter unter den Schuhen knistern, die Alpen leer sind und sich die Natur auf den Winter vorbereitet. Dann schrauben auch die Naturburschen zurück und es bleibt mehr Zeit für die Jagd und fürs Beobachten, Lauschen, Geniessen. Und wieder einmal den tosenden Wassermassen der Aa entlang zu wandern – in aller Ruhe.

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