Garantiertes Bergglück

14. September 2018

Weekend-Tipp: Engelberg inszeniert im Sommer ein alpines Spektakel für Familien. In einer Hauptrolle: die atemberaubende Landschaft.

Nein, für Ruhesuchende und Puristen ist das nichts. Jedenfalls nicht hier oben auf dem Engelberger Brunni, nicht auf den ersten Atemzug in der herrlich frischen Sommerluft. Dabei war der Blick ins Tal schon in der Gondel der Luftseilbahn hoch zum Ristis herrlich: Alles bleibt unten, wird klein und kleiner, das Kloster, die Souvenirshops, der Alltag und seine Lasten. Oben ist viel los: Alpines Schlagerfestival im Berglodge- Restaurant Ristis. Es haben sich unzählige Familien eingefunden, auch Globi ist da. Das freut den Nachwuchs, der allerdings kaum Zeit hat, den blauen Vogel zu grüssen. Denn ein Spielplatz voller Wunder wartet darauf, erobert zu werden – eine waghalsige Rutschbahn und ähnliche Freuden, wer könnte widerstehen? Und plötzlich kommt Kindergebrüll auf, weil die Sommerrodelbahn, der Sunshine Radio Runner, ungeplant für kurze Zeit schliessen muss – Regentropfen haben die Fahrbahn gefährlich glitschig werden lassen. 

Zauberhafte Fahrt mit dem Sessellift
Vorbei am Bergrestaurant und hinauf zum Herzlisee führt eine zauberhafte Fahrt mit dem Sessellift zur Brunnihütte. Viele, viele Menschen hatten den gleichen Plan, die einen wegen des Kneipp-Pfads rund um den Bergweiher. Es ist wunderbar, barfuss zu spüren, was der Boden hergibt. Die anderen scharen sich um die Grillplätze mit Panoramablick, zwischen Bächlein, Schmetterlingen und Wanderschuhen. Es gilt, den Menschenansammlungen auszuweichen und zum Kiosk zu gehen, wo jeder eine Wurst kaufen kann, der nicht mit Grillplätzen auf 1860 Meter über Meer gerechnet hat. Das ganze Angebot ist absolut professionell inszeniert, es macht den Ausflug in die Berge zu einem garantiert glücklichen Unterfangen. Man fühlt sich versorgt, ja bespasst in diesem Vergnügungsareal auf hohem Niveau im doppelten Sinn in schönster Landschaft.

Auch wenn man weniger alpines Spektakel sucht, wird man im Obwaldner Tal problemlos fündig: Engelberg bietet Alternativen für alle Gemüts- und Wetterlagen. Wer nicht klettern, biken oder wandern will, etwa ans Ende der Welt, wie eine rund vierstündige Route so wunderbar heisst, kann es auch gemächlich nehmen. Zum Beispiel im Ortsbus durchs Tal schaukeln, vorbei an der Bühnenlandschaft der Karl-May-Freilichtspiele, die hier seit letztem Sommer abgehalten werden. Station ist die urchige Gondelbahn, die den Talboden mit dem Bergrestaurant Fürenalp verbindet. Spektakulär ist hier die Berglandschaft, die abschüssigen Felswände, aus denen Wasserfälle schiessen.

Einen schönen Blick geniesst man von der Gartenterrasse aus. In der Mitte des Tisches steht eine Schüssel voller Älplermagronen für die ganze Familie. Danach gibt es hausgemachten Kuchen für alle, die noch ein Dessert schaffen.

Käsespezialität im Benediktinerkloster
Wer lieber im Tal bleibt, braucht sich nicht zu langweilen. Zum Beispiel im Benediktinerkloster aus dem zwölften Jahrhundert. Das Kloster betreibt eine Schaukäserei, in der gezeigt wird, wie die cremige «Klosterglocke» entsteht. Man kann die Spezialität im schönen Klosterladen zusammen mit weiteren heimischen Produkten erwerben: Neben Konfitüren, Sirups und Käse findet sich auch Naturkosmetik im Angebot. Oder aber man spaziert oberhalb des Klosterfriedhofs zum empfehlenswerten Robinsonspielplatz im Grotzenwäldli, der für die Kids zum Erlebnis wird, dank kleinen Hütten zum Klettern und einem See, über den eine Hängebrücke gespannt ist.

Reichlich Gelegenheit zum Bräteln, Baden und Paddeln. Schon die Kleinsten schaffen es auf Flössern über den See. Was dem Nachwuchs am ereignisreichen Sommerwochenende am besten gefallen hat? Das Barfusskitzeltrampeln um den Härzlisee und die Sommerrodelbahn. Dicht gefolgt von Globi, obwohl man doch für den Vogel kaum Zeit hatte.


Text: Melanie Kollbrunner
Bilder: Engelberg-Titlis Tourismus
Quelle: Tamedia/Tages-Anzeiger