Navigation öffnen

Winterzauber Engelberg

12. März 2019 - Vom Pizzabogen, Tiefschneespuren, Schneeballschlachten und Winterzauber

Endlich sind sie da, die lang ersehnten Skiferien!
Seit ich flügge geworden bin und das Elternhaus verlassen habe, waren Skiferien irgendwie nicht mehr auf meiner Prioritätenliste. Als Schweizerin, die von Kindsbeinen an regelmässig während zwei Wochen in die Skiferien durfte eher ungewöhnlich, oder? Allerhöchste Zeit also, um sich mal wieder ausgiebig dem Wintersport zu widmen. Mit guten Freunden und deren zwei Kindern (meinen Patenkindern) haben wir beschlossen eine Woche gemeinsam Winterferien zu verbringen. 


Von "uiii nein" bis "Yes!"
Aber wohin? Vier Erwachsene und zwei kleine Kinder im Alter von zwei und sechs Jahren? Nicht zu weit fahren. Einigermassen schneesicher. Das Ferienbudget sollte nicht schon für die Unterkunft ausgereizt werden. Das Skigebiet attraktiv und auch für Kinder geeignet. Für Nichtskifahrer sollte es aber auch noch abwechslungsreiche Optionen bieten. Das i-Tüpfeli wäre noch ein interessantes Wellnessangebot, um die müden Glieder nach dem Outdoor-Programm entspannen zu lassen. Ufff… 


Ich erinnere mich an jenen Spätsommerabend des letzten Jahres, an welchem meine Freundin und ich die Ferienplanung in Angriff nahmen und gemeinsam im Internet recherchierten: "Ui nei", entfuhr es mir das ein oder andere Mal, "das isch jo hässlich und so öbis vo veraltet! Do gang ich sicher nid a Wuuche ahne!" Sollte das Projekt Skiferien etwa schon bei der Suche nach einer ins Ferienbudget passenden Unterkunft scheitern? Wir hatten grosses Glück, denn im ganz neu erstellen Titlis Resort stiessen wir nach einer gefühlten Ewigkeit auf eine tolle 3.5-Zimmerwohnung, die all unseren Kriterien entsprach: moderne Infrastruktur, geräumig, kinderfreundlich, Wellnessbereich für die Erwachsenen, wenn gewünscht Frühstücks-Lieferservice an die Wohnungstür, die Titlis Bergstation in Gehdistanz, gratis Shuttlebus zum Brunni Skigebiet oder ins Dorf, Garage, pro Wohnung ein abschliessbarer Spint für Skis und im Rezeptions-/Empfangsbereich ein herziges kleines Lebensmittellädeli. Yes!  


An jenem Samstag Anfang Februar fuhren Mike und ich endlich von Zuhause los – das Auto vollgestopft mit unzähligen Gepäckstücken. Verreise ich mit dem Auto, ist gezieltes Packen leider keine Stärke von mir; ich nehme immer zu viele Sachen mit. Kennt ihr die typische Mann-Frau-Konversation à la "warum nimmst du dieses Blüsli mit? Wir fahren in die Skiferien, pack lieber einen Pullover ein." Und ich: "Aber vielleicht gehen wir mal auswärts essen. Man weiss nie." Augenrollen bei meinem Liebsten, als noch ein viertes Paar Schuhe, ein prallgefülltes Kosmetiktäschli und eine dritte Reisetasche mit was-weiss-ich-was im Kofferraum landen (gut haben wir ein GROSSES Auto…). 


Entspannt und voller Vorfreude treffen wir in Engelberg und im Titlis Resort ein, wo wir wenig später mit unseren Freunden und den zwei Kindern die Wohnung beziehen. Wir sind begeistert von der Infrastruktur und schmieden beim "Ferien-Beginn-Apéro" sogleich Pläne für die kommenden Tage. Der Wetterbericht verspricht viel Schnee am kommenden Tag und drei Sonnentage zu Wochenbeginn – ideal also um die Pisten hinunter zu sausen und die Skisaison 2019 einzuläuten.
Kling, kling – wir stossen an auf tolle gemeinsame Winterferien in Engelberg. Lasst euch überraschen, was wir alles in unserer Ferienwoche unternommen haben!
 

Sonntag, 3. Februar: Frau Holle ist übereifrig
Engelberg versinkt im Schnee. Der Verkehr kommt quasi zum Erliegen. Die Schneeräummaschinen fahren pausenlos die Hauptstrassen entlang. Sisyphusarbeit! Des einen Leid, des anderen Freud. Wir geniessen den Winterzauber und machen uns warm eingepackt und mit zwei schönen Davoser Schlitten im Schlepptau auf den Weg nach Engelberg Dorf. Das fröhliche Kindergequietschte und "schneller Papi, schneller!" Oder "renn Gotti, renn" in den Ohren, bahnen wir unseren Weg durch den tiefen Schnee. Was darf bei solch einer Schneetour ganz sicher nicht fehlen?  


Richtig, eine ausgelassene Schneeballschlacht! Kawuuummm… mich trifft ein weicher Schneeball mitten ins Gesicht – bääähh… brrrr… Na, warte… ich forme den nächsten Schneeball und ziele in Richtung meines "Angreifers". Peng… ich treffe Mike und lache frech. Nicht lange und ich lande, hochgehoben von meinem Liebsten, mitten in einem Schneehügel. Die Kinder kichern und wollen sogleich auch hochgehoben werden, um neben mir im Schnee platziert zu werden. "Chömet Chinder, mir gönd no echli wiiter." Und so klopfen wir uns den Schnee aus den Kleidern, schütteln unsere vom Schnee ganz weiss gewordenen Mützen aus und stapfen weiter. 
Der Name des Cafés ist Programm: Im Kafikaufbar ist wirklich alles kaufbar – ein absolutes "Must", wer Vintage liebt und einen Sinn für Deko und Nippes hat. Lasst euch hier vom netten und kinderfreundlichen Personal mit deftig, herzhaften Speisen verwöhnen und geniesst zum Abschluss wirklich guten Kaffee.



Montag, 4. – Mittwoch, 6. Februar: Der Berg ruft!
Wenn ich an die drei Skitage zurück denke, dann wäre mein Resümee, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Sind wir am Montag mühsam durch Tiefschnee von Buckelpiste zu Buckelpiste gefahren, weil die Pisten wegen des üppigen Schneefalls nicht präpariert wurden, waren die Pistenverhältnisse am Dienstag pudrig optimal und ab Mittwoch hart und schon leicht abgefahren. Die ganzen drei Tage haben Mike und ich alle Pisten auf dem Titlis und dem Trübsee-Jochpass abgefahren, egal ob "Blau", "Rot", "Schwarz" oder "Gelb". Keine Piste wurde ausgelassen. Obwohl meine Beinmuskeln spätestens nach der Mittagspause schmerzten, musste am Spätnachmittag immer noch die Talabfahrt in Angriff genommen werden. Diese ist besonders im letzten Drittel wunderschön, da man eine herrliche Panoramasicht auf ganz Engelberg geniesst und dann wenig später mit roten Backen, klammen Fingern und "Wackelpeter-Beinen" an der Titlis Bergstation die Ski von den schweren Skischuhen schnallt. 


Übrigens ist Engelberg auch ein Skiparadies für Kinder: mein älteres Patenkind durfte während drei Tagen in die Skischule, und für sie war es am Mittwochnachmittag ein absolutes Highlight, dass Mike und ich sie abgeholt haben und zu Dritt noch weiter gefahren sind. Stolz zeigte sie uns, wie sie "Pizzabogen" fahren kann (das ist der neue Ausdruck für Stemmbogen, den meine Generation wohl noch gelernt hat). Als Patentante ist es mir sehr wichtig, dass ich viel Zeit mit meinem Gottemeiteli verbringe und wir gemeinsam Dinge erleben. Es berührte mich, wie aufgestellt, stolz und voller Energie die Kleine mit uns fuhr, sich zeigen liess, wie man Bügellift fährt oder wie die Ski parallel zum Hang gestellt werden müssen, um nach dem "Pizzabogen" mit Schwung weiterzufahren. Ihr hättet sehen müssen, wie das Gesichtlein strahlte, als wir mit ihr das letzte Stück der Talabfahrt zum ersten Mal abfuhren und sie voller Stolz ihrem Mami und Papi davon berichtete! Das sind kostbare und mich beflügelnde Momente, die mir aufzeigen, wie wichtig es ist gemeinsam ein Erfolgserlebnis zu haben und etwas mitzugeben, an das die Kleine sich später erinnern kann.
 

Donnerstag, 7. Februar: Trübseewanderung mit der Kleinsten
Heute ist Frauentag. Mit meiner Freundin und der Jüngsten im Tragerucksack machen wir uns auf zu einer Wanderung um den Gletschersee Trübsee, der auf der Mittelstation des Titlis liegt. Die Abwechslung nach drei Tagen Skifahren tut gut. Es rührt mich zu sehen mit welcher Euphorie die Zweijährige die Gondelfahrt munter plappernd kommentiert. Sie geniesst es richtig und fängt beinahe an zu weinen als wir aussteigen müssen. Nur mit Mamas Überredungskünsten lässt sie sich aus dem Gondeli locken. Und klar, auf Gottis Rücken ist es natürlich auch richtig "lässig“ und angenehm (dafür schwitze ich umso mehr und freue mich über jede Verschnaufpause…). Gemütlich laufen meine Freundin und ich durch den Schnee, geniessen die herrliche, tief verschneite Berglandschaft, die Ruhe, die klare Luft, die besondere Atmosphäre – die Sonne vermag nicht ganz durch die Wolken durchzudrücken – und lauschen dem Knarzen des Schnees unter unseren Stiefeln. Aus dem Rucksack ist kein Mucks mehr zu hören, die Kleine schlummert friedlich und so können meine Freundin und ich uns ungestört über Gott und die Welt unterhalten.
 

 

Freitag, 8. Februar: Zuerst der Packesel, dann das (Schlitten-) Vergnügen
Und schon beginnt der letzte Tag der Skiferien. Einmal mehr sind die abwechslungsreichen und sportlichen Tage nur so dahin geflogen. Kennt ihr die Fürenalp im hintersten Zipfel von Engelberg? Auf 1850 m.ü.M, erreichbar mit einem kleinen, nostalgischen Gondelbähnchen, erstreckt sich hier oben ein kleines Eldorado für Schneeschuhwander-Freunde und Schlittelbegeisterte. Gibt es also einen besseren Ferienabschluss als bei strahlendem Sonnenschein gemeinsam die Schlittelpiste hinunter zu sausen? Aber halt: zuerst heisst es laufen, laufen, laufen… und wenn die kleinen Kinderbeinchen müde werden, ziehen die grossen "Packesel" einen schweren Schlitten den Berg hinauf. Ächzt, ufff… Aber egal, denn die Freude, das fröhliche Lachen und die freie Fahrt durch Pulverschnee lassen die körperlichen Mühen schnell vergessen. Ein Tipp für Hungrige und Durstige ist das Bergrestaurant Fürenalp gleich bei der Bergstation: Ich habe es mir nicht nehmen lassen ein hervorragend zubereitetes und sensationell gewürztes Tartar zu bestellen – variantenreich und nobel auf dem Berg speisen? Das geht hier! Als "Kontrastprogramm" haben sich die Kids ihre saftigen Chicken Nuggests mit Pommes ebenso schmecken lassen wie ich mir mein feines Tartar.

 


Samstag, 9. Februar: Bye, bye Engelberg
Etwas wehmütig sind wir wieder ins Tal gefahren; wir hätten gut und gerne noch eine ganze Woche anhängen können, denn Engelberg bietet unglaublich viel: Nebst dem klassischen Skisport, lässt es sich hier oben bestens Schlitteln, Winterwandern, Langlauffahren, "Schliifschüenle" oder Wellnessen. Engelbergs Infrastruktur ist top modern – als ein Beispiel ist die Drehseilbahn Rotair zu erwähnen, die für Bergfreunde ein "Must" ist: eine schönere Rundumsicht auf das imposante Zentralschweizer Bergpanorama gibt es wahrlich nicht! Selbst das Dorf hat Charme – man findet keine Bausünden, sondern schlendert zwischen Chalets und modernen, dem Dorfcharakter angepassten Gebäuden, entlang; lässt die Seele in herzigen Cafés baumeln, vergisst über einem heissen Kaffee die Zeit oder findet "fetzige" Après-Ski Lokale, Restaurants und ausreichend Einkaufsmöglichkeiten. Für Kulturinteressierte empfiehlt sich zum Beispiel das imposante Kloster Engelberg oder die Schaukäserei des Klosters zu besichtigen. Gut organisierte Regionalbusse bringen Einheimische und Gäste gratis zu ihren Zielen. Natürlich lässt es sich in Engelberg auch bequem in einem der zahlreichen Hotels übernachten; ich schwärme jedoch vom Titlis Resort, denn die abschliessende Beurteilung über das Preis-Leistungs-Verhältnis, die Infrastruktur, die Lage sowie die Freundlichkeit der Resort-Leitung hat voll und ganz überzeugt. 


Somit sage ich auf bald wieder im schönen Engelberg und hoffe, dass ich euch mit meinem Erlebnisbericht inspirieren und euch einen "Stupf" geben konnte den herrlichen Ort in der Zentralschweiz zu besuchen und zu erleben.
 

PS: Natürlich ist mein Kosmetiktäschli mit all seinen Fläschli und Tüübli kaum gebraucht worden, denn ich habe ausser Sonnen- und Nachtcrème nichts gebraucht und meine extra mitgeschleppten Schuhe sowie das Blüsli sind die ganze Zeit über im Schrank geblieben. Dafür habe ich mir das ein oder andere mal den Pullover von Mike ausgeliehen… ja, ja, ich weiss…



Text & Bilder: Simone Jacober, www.schreibatelier-jacober.ch