Navigation öffnen

Klosterwein

07. November 2018 - Dem jungen Wein die Zeit zum reifen zugestehen

Dem jungen Wein die Zeit zum reifen zugestehen

Als das Benediktinerkloster Engelberg vor eineinhalb Jahren am Bielersee ein knapp drei Hektaren grosses Rebgut erworben hat, sorgte dies über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen. War doch das Kloster bis im Jahre 1433 Besitzerin eines grossen Rebguts am Bielersee. Der im Juni 2018 nach 585 Jahren wieder erstmals vom Bielersee angelieferte Weisswein wusste zu gefallen. Namhafte Weinkritiker wie Yves Beck und Gault-Millau erteilten dem von Klosterwinzer Beat Burkhardt hergestellten Chasselas sehr gute Noten. Und nun reift die zweite Generation des Engelberger Klosterweins heran.

Mit der Ernte der Trauben Mitte September begann für den Klosterwinzer Beat Burkhardt eine spannende Zeit. Ist doch der ganze Verarbeitungsprozess der Vinifizierung sehr zeitaufwändig und bedarf einer ständigen Begleitung und Überwachung. Vor allem beim ersten Gärprozess des in Tanks abgefüllten Traubenmostes ist für die spätere Entwicklung des Weins sehr wichtig und darf nicht zu schnell erfolgen. Entwickelt doch der zukünftige Wein während diesem Verarbeitungsprozess jene Aromastoffe, die ihm später seinen eigenen Charakter geben. Für den Winzer ist dies auch eine Geduldsprobe. Muss er jetzt dem Wein doch die notwendige Zeit für den ganzen Reifeprozess zugestehen. In einem zweiten Gärprozess erfolgt der biologische Säureabbau, indem die im Wein enthaltene Apfelsäure in die mildere Milchsäure umgewandelt wird. Und wieder ist vom Winzer Geduld gefragt. Der junge Weisswein ruht nun die nächsten drei Monate in Stahltanks, während der junge Rotwein in Holzfässer abgefüllt und diesem total zwölf Monate Reifezeit zugestanden wird.

Die ersten Proben des Klosterweins Jahrgang 2018 waren sowohl beim Chasselas wie auch bei dem erstmals produzierten Pinot Noir vielversprechend. Entscheidend ist aber auch jetzt, dass der Klosterwinzer dem jungen Wein genügend Zeit zum reifen zugesteht. Das Jahr der Rebe endet mit dem Laubabfall und beginnt im Januar wieder mit dem zurückschneiden der Rebe. Der Winzer spricht dann von der Erziehung und Pflege des Rebstocks, damit man auch im neuen Jahr wieder einen guten Ertrag erzielen kann. Doch vorerst gilt die volle Aufmerksamkeit dem ganzen Reifeprozess vom neuen Klosterwein. Und die Gefahr, dass dieser später während dem Transport vom Bielersee nach Engelberg wie im 15. Jahrhundert noch üblich zu viel "verdunstet", ist heute verschwindend klein.


Text: Beat Christen
Beat Christen arbeitete während fast zwei Jahrzehnten als Redaktor bei einer Zeitung und ist heute für die Koordination des Jubiläums «900 Jahre Kloster Engelberg» zuständig. Er ist vielseitig interessiert, engagiert sich in Engelberg für verschiedenste Bereiche und publiziert regelmässig Beiträge zu den unterschiedlichsten Themen.  
Bild: Beat Christen