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Langlauf-Nachwuchstalent

Siri Wigger – Goldjägerin an den Olympischen Jugend-Winterspiele 2020

Vom 9. bis 22. Januar fanden die Youth Olympic Games (YOG) in Lausanne statt. Nach Innsbruck (2012) und Lillehammer (2016) ist das erst die 3. Austragung in der Geschichte der Olympischen Jugend-Spiele. 1'872 Athleten aus 79 Nationen kämpften in der Westschweiz um Olympisches Edelmetall. Siri Wigger, die 16-jährige Gymnasiastin der Sportmittelschule Engelberg, gewann im Langlauf Sprint (1.2km) und Cross-Sprint mit Hindernissen jeweils Gold. Im Distanzrennen über 5 km erkämpfte sie Silber. Ihre Leistung hat sie anfangs März bei der Junioren Weltmeisterschaften in Oberwiesenthal in der Sprintdisziplin und über 15 km Massenstart mit der Bronzemedaille bestätigt. Mit der Team-Staffel holte sie sogar den Weltmeistertitel in der Juniorenkategorie.

 

SIRIS ERWARTUNGEN UND EINDRÜCKE DIESES RIESIGEN EVENTS

Siri bereitete sich mit ihrer gewohnten Routine auf die Wettkämpfe für die Youth Olympic Games vor. Jedoch verspürte sie während diesem riesigen Event deutlich mehr Nervosität. Die Erwartungen an sich selbst waren enorm gross und so stieg auch ihr innerlicher Druck. Gereist wurde nur mit Öffentlichen Verkehrsmitteln. Die knapp zweistündige Reise vom Olympiadorf Lausanne zum Langlaufstadion war deutlich aufwendiger als normalerweise. Beim Eintreffen ins Langlaufstadion von Le Brassus wich jedoch ihre Angespanntheit dank der grandiosen Stimmung der Zuschauer. Die lautstarke Unterstützung der vielen Schweizer Fans am Streckenrand beflügelte Siri und trieb sie zu Höchstleistungen an. Als Siri die Ziellinie beim Sprint und auch beim Cross-Sprint als Siegerin überquerte, wurde sie von positiven Emotionen überhäuft. Die glücklichen Eltern Silvia und Jeremias Wigger, ehemalige Langläufer und Olympioniken, empfingen sie mit offenen Armen.

 

SIRIS WEG UND DAS GEHEIMNIS IHRES ERFOLGES

Den Weg vom Zürcher Oberland an die Sportmittelschule Engelberg fand die 16-jährige dank ihres älteren Bruders Nicola. Er wagte den Schritt an die Sportmittelschule und war sichtlich zufrieden mit dieser Entscheidung. An dem System schätzt Siri sehr, dass sich die Trainings super mit der Schulausbildung kombinieren lassen. Vor allem im diesjährigen schneearmen Winter konnte Siri von den verschiedenen Höhenlagen in Engelberg profitieren. Während ihre Klubkolleginnen zu Hause auf Rollskiern unterwegs waren oder an fernen Orten die Loipe suchen mussten, konnte sie im Trübsee auf Schnee trainieren. Ihren Trainer lobt die frischgebackene Schweizer Meisterin die gute Trainingsplanung und das Fachwissen.

 

Marc Steur startete die nordische Gruppe an der Sportmittelschule Engelberg. Anfangs bestand die Trainingsgruppe bloss aus drei Athleten, eine davon war Lena Häcki, die sich im Biathlon Weltcup etabliert hat. Schnell entwickelte sich ein Team aus ungefähr 30 Nordischen Athleten. Das Positive an der Sportmittelschule sieht er am Konzept des Stützpunktes. Über das ganze Jahr wird eng mit den Athleten zusammengearbeitet und als Trainer kann man seine Inputs und Ideen gut umsetzten. Dieses System sei effizient und auf längerfristige Sicht erfolgreich. Engelberg bietet dabei die perfekten Bedingungen mit seinen vier Ebenen: Talloipe, Gerschnialp, Trübsee und Titlis. Im November werden auf dem Titlis Gletscher die ersten Techniktrainings auf Langlaufskis absolviert. Bei Schneemangel im Engelbergertal kann auf die Loipen im Trübsee oder Gerschnialp ausgewichen werden. Marc Steuer betont, dass diese Schneesicherheit in Zukunft ein noch wichtiger und grösserer Pluspunkt für die Destination Engelberg sein wird. In unserem Nachbarland Deutschland, so Steur, trainierten diesen Herbst die Langläufer auf Rollskiern, als hier schon längst das Schneetraining begonnen hatte.

 

Die Zusammenarbeit mit Siri Wigger beschreibt er als sehr spannend. Die selbstbewusste und selbstsichere junge Athletin stelle sehr hohe Erwartungen an sich selbst und auch an ihr Umfeld. Marc nimmt diese Herausforderung gerne an. Im Training ist sie immer 100% fokussiert, zielorientiert und diszipliniert. Was bei ihr sicherlich heraussticht ist, dass jede Trainingsminute einen Effekt haben und richtig genutzt werden muss. Sie messe sich nicht nur am Schweizer Niveau, sondern erkundigt sich in anderen Ländern, mit welchen Trainingsmethoden gearbeitet wird. Siris Erfolg hängt nicht nur von Talent ab, sondern ist langjährigem Training und Ehrgeiz zu verdanken. Auch bei der Aufnahmeprüfung der Sportmittelschule Engelberg stehe das Talent nicht im Vordergrund. Viel mehr zählt, dass ein Athlet einen starken Willen zeigt, fleissig ist und kämpfen kann.

 



Text: Anja Fischer
Anja Fischer ist in Engelberg aufgewachsen und kam schon früh mit dem Wintersport in Kontakt. Nach der Matura an der Sportmittelschule fing sie ein Studium in Norwegen an und verfolgt als Biathletin den Weg im Spitzensport.
Bilder: Siri Wigger