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Der Schanzenchef, das ist die zentrale Figur im ganzen Organisationskomitee der Engelberger Weltcup-Veranstaltung.

Schanzenchef - Bini Amstutz

27. November 2018 - Der Tanz des Schanzenchefs auf mehreren Hochzeiten

In diesen Tagen ein längeres und vor allem ungestörtes Gespräch mit dem Schanzenchef der grössten Skisprunganlage der Schweiz zu führen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Bini Amstutz steht unter Strom. Gibt er nicht gerade am oftmals heiss laufenden Mobilegerät Auskunft, meldet sich sicher eine fragende Stimme über das Funkgerät und erwartet sofort eine Antwort. Wie Bini Amstutz in dieser Situation zumindest nach aussen hin die Ruhe selbst bleiben kann, entspricht wohl seinem Naturell. Die Frage, ob dies überhaupt gesund ist was er da macht, stellt er sich schon gar nicht. Der Engelberger Schanzenchef und sein Team sind einzig und alleine darauf fokussiert, den weltbesten Skispringern bei ihrem einzigen Gastauftritt in der Schweiz im Rahmen des Weltcups eine perfekt präparierte Titlis-Schanze zu präsentieren.


Der Schanzenchef, das ist die zentrale Figur im ganzen Organisationskomitee der Engelberger Weltcup-Veranstaltung. Er ist der Dreh- und Angelpunkt, wenn es um die Präparation der vor zwei Jahren total umgebauten Titlis-Schanze geht. Entscheide, welche Arbeitsschritte als nächstes folgen, müssen oft intuitiv und aus dem Gefühl heraus gefällt werden. Einer seiner Vorgänger hat sich mal die Zeit genommen, all die grösseren und kleineren Arbeiten auf einem Zettel festzuhalten und ist dabei auf die stolze Zahl von über 90 ganz unterschiedlich anfallende Aufgaben gekommen. Dieses 90-Punkte-Programm hat bis heute nichts von seiner Gültigkeit verloren.

Auch das Mobilegerät von Schanzenchef Bini Amstutz hat einen eingebauten Schrittzähler. Diesen hat er allerdings noch nie an einem Abend konsultiert. Aber es dürften einige Kilometer sein, die er an einem Tag zwischen dem Anlauf und Auslauf zurücklegt. 133,70 Höhenmeter pro Gang inklusive. Die Arbeiten koordinieren, Fehlendes organisieren und nicht selten auch noch gleich mitanpacken. Ein Generalist hätte da keine Chance. Gefragt als Schanzenchef ist ein Allrounder. Und kommunikativ sollte er auch noch sein. Innerhalb des Schanzenteams wird eine direkte Sprache gepflegt. Medien gegenüber ist da schon eine gewisse Diplomatie gefragt. Als ausgebildeter Bergführer bewegt sich Bini Amstutz sicher und konzentriert auf diesem schmalen Grat. Auch dann, wenn ein Arbeitstag weit länger als die in Bürojobs üblichen 8,5 Stunden dauert. Die Anspannung, das weiss Bini Amstutz aufgrund der in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungen, wird erst am Sonntag nachlassen, wenn der letzte Wettkämpfer im Auslauf abgeschwungen hat. Doch bis dahin gibt es noch einige Punkte, die gemäss seinem Programm abgearbeitet werden müssen.


Text: Beat Christen
Beat Christen arbeitete während fast zwei Jahrzehnten als Redaktor bei einer Zeitung und ist heute für die Koordination des Jubiläums «900 Jahre Kloster Engelberg» zuständig. Er ist vielseitig interessiert, engagiert sich in Engelberg für verschiedenste Bereiche. So war er während 20 Jahren Medienchef der Skisprung Weltcup-Veranstaltung in Engelberg. Die Engelberger Skisprunggeschichte hat er im Buch "Von Null auf Hundert" publiziert.
Bilder: Beat Christen


FIS Skisprung Weltcup Engelberg
Buch "Von Null auf Hundert" - Schanzengeschichte
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